Minimalismus im Familienzuhause. Ein Guide zur Gestaltung eines ruhigeren Zuhauses mit Kindern

Minimalismus im Familienzuhause. Ein Guide zur Gestaltung eines ruhigeren Zuhauses mit Kindern

Mit Kindern ist das Leben manchmal etwas chaotisch. Überall findet man Spielsachen, aufgeräumt wird nur nach mehrfacher Aufforderung und jedes Teil das man ausmisten möchte, wird genau in dem Moment wieder interessant und kann auf gar keinen Fall weg. Aber: Minimalismus im Familienleben ist möglich - nur wie? Dazu mehr im Interview mit Interior Designerin Ronja Rupalla über visuelle Ruhe, echtes Familienleben und warum weniger oft mehr ist.

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Hallo Ronja, was bedeutet für dich Minimalismus aus Interior-Sicht – besonders im Familienleben?

Minimalismus mit Kindern bedeutet für mich nicht, in einem leeren Raum zu leben oder so wenig Dinge wie möglich zu besitzen - das ist im Familienalltag meiner Meinung nach eher unrealistisch. Ich merke jedoch immer wieder, wie sehr sich unsere Kunden nach einem ruhigen, aber dennoch warmen Wohnraum sehnen, weil es den Alltag erleichtert und Stress reduziert. Es geht also darum, den visuellen Lärm zu reduzieren. 
Für mich bedeutet Minimalismus daher, Räume so zu gestalten, dass sie Ruhe ausstrahlen und den Kopf beim Betreten entspannen lassen. Natürlich hilft es dabei auch, bewusster auszuwählen und eher auf langlebige Dinge zu setzen.

Warum ist ein ruhiges Umfeld für Kinder und Eltern überhaupt wichtig? 

Unser Alltag ist ohnehin schon laut und voller Reize. Wenn das Zuhause dann auch noch optisch überladen ist, kommt das Nervensystem einfach überhaupt nicht mehr zur Ruhe. Kinder werden durch das ganze Chaos oft hibbelig und können sich viel schlechter konzentrieren. Und für uns Eltern ist die Unordnung ein stiller Stressfaktor, der uns unbewusst unruhig macht.

Ein ruhiges Umfeld funktioniert dagegen wie eine Atemübung. Es senkt das Stresslevel, die Kinder können viel kreativer und fokussierter spielen, und wir Eltern bekommen ein bisschen von der Ruhe zurück, die man im Familienalltag einfach braucht.

Viele verbinden Minimalismus im Zuhause mit Perfektion. Was bedeutet für dich Minimalismus? 

Für mich hat Minimalismus überhaupt nichts mit diesem cleanen Social-Media-Perfektionismus zu tun. Das ist mit Kindern auch eher unrealistisch und macht am Ende nur Stress.

Ich definiere Minimalismus eher als Freiheit für das echte Leben. Es muss nicht immer alles perfekt aussehen, aber es muss mit drei Handgriffen wieder ordentlich sein können.  Wenn man weniger besitzt und cleveren Stauraum hat, entsteht gar nicht erst dauerhaft Chaos. Minimalismus soll den Alltag erleichtern – nicht zusätzlichen Druck erzeugen.

Wo entstehen in Familienhäusern deiner Erfahrung nach die größten „Unruhepunkte“ im Interior?

Die größten Unruhepunkte sind eigentlich fast immer das Wohnzimmer und die Küche.
Ganz viele Kunden sagen mir zum Beispiel, dass sie super gerne eine Spielecke im Wohnzimmer hätten, aber am Feierabend einfach nicht mehr permanent auf die Spielsachen schauen wollen. Genau deshalb planen wir hier ganz oft verdeckten Stauraum ein. Die Kinder haben dann tagsüber viel Platz, um alles auszuräumen und kreativ zu spielen, aber am Abend verschwindet alles ganz schnell hinter Türen. Gleichzeitig hilft es enorm, bewusst auf schöne und hochwertige Spielsachen zu setzen – die dürfen ruhig sichtbar sein.

Und das zweite große Thema ist die Küche. Viele sind damit unzufrieden, weil beim Planen überhaupt nicht an smarten Stauraum für Küchengeräte und Kochutensilien gedacht wurde. Das Ergebnis ist, dass alles auf der Arbeitsplatte rumsteht, der Raum wirkt sofort unruhig, selbst wenn eigentlich aufgeräumt ist.

Wie gehst du mit „sichtbarem Alltag“ um – also Spielzeug, Bücher, Kinderobjekte?

Für mich gehört der sichtbare Alltag absolut dazu, ein Zuhause ist kein Museum. Ich finde es schön, wenn man sieht, dass im Wohnraum einer Familie gelebt wird.

Mein Ansatz ist da eher entspannt: Dinge, die man sieht, sollten entweder eine Funktion haben oder einem optisch gefallen (eher Zweiteres 🙃). Bei Kinderbüchern arbeiten wir zum Beispiel oft mit schönen Buchleisten, wo die Cover nach vorne zeigen. Das sieht toll aus und die Kinder greifen viel lieber danach. Super ist auch ein offenes, schönes Regal auf Augenhöhe der Kinder. Wenn dort ein paar ausgewählte Sachen in greifbarer Nähe stehen, können sich die Kleinen selbst bedienen und die Sachen danach auch ganz einfach selbst wieder aufräumen.

Bei Spielzeug oder Dingen, die tagsüber rumliegen, macht die Qualität und Quantität den Unterschied. Hochwertiges Holzspielzeug, schöne Körbe oder gut gestaltete Kinderstühle dürfen und sollen gesehen werden, weil sie sich harmonisch ins Gesamtbild einfügen. Der Schlüssel ist am Ende die Balance: Sichtbarer Alltag ist völlig okay, solange er aus Lieblingsdingen besteht und alles am Ende ein festes Zuhause hat.

Gibt es einen Denkfehler, den viele machen, wenn sie versuchen, Ordnung oder Ruhe herzustellen?

Der größte Denkfehler ist meiner Meinung nach, dass viele glauben, Ordnung entstehe durch reines Aufräumen oder durch immer mehr Boxen und Körbe. Man rennt dann samstags durchs Haus, schiebt die Dinge von A nach B, sortiert alles ordentlich ein und einen halben Tage später sieht es wieder genau so aus wie vorher.

Das Problem ist: Wenn die Basis nicht stimmt und einfach zu viele Dinge da sind, kann kein Ordnungssystem der Welt funktionieren. Viele machen den Fehler und kaufen wahllos irgendwelche Kisten, anstatt einmal richtig in durchdachten Stauraum zu investieren. Echte, dauerhafte Ruhe entsteht erst, wenn man vorher radikal aussortiert und dann den passenden, geschlossenen Stauraum dafür hat. Man darf nicht versuchen, das Chaos zu verwalten, sondern muss den Dingen ein festes, unsichtbares Zuhause geben. Erst ausmisten, dann den Stauraum clever planen, wo alles ruckzuck verschwinden kann. So entsteht langfristig Ruhe.

Wie schafft man visuelle Ruhe, ohne dass ein Raum unpersönlich wirkt?

Visuelle Ruhe bedeutet ja nicht, dass alles weiß oder beige sein muss und keine Deko mehr erlaubt ist. Genau das macht Räume nämlich oft unpersönlich.
Der Trick ist, mit einer ruhigen Basis zu arbeiten also zum Beispiel eine harmonische Farbpalette aus Erdtönen oder sanften Naturfarben für Wände und große Möbel, es funktioniert aber auch mit ausgewählten kräftigeren Farben.

Die Persönlichkeit kommt dann über die Details und Texturen. Statt ganz viel Kleinkram, der überall rumsteht und Unruhe reinbringt, setzt man lieber auf wenige, aber dafür aussagekräftige Lieblingsstücke. Das kann ein tolles großes Bild sein, eine besondere Lampe oder persönliche Urlaubsmitbringsel, die man als Gruppe arrangiert, statt sie im ganzen Raum zu verteilen.

Auch Materialien wie Holz, Naturfasern oder Keramik bringen total viel Wärme und Leben in einen Raum, ohne das Auge zu überfordern. Am Ende wirkt ein Raum dann nicht steril, sondern einfach extrem einladend und aufgeräumt.

Einen Tipp den ich immer gerne gebe ist: Deko ist erlaubt aber es hilft Flächen auch einfach mal leer zu lassen, nicht jedes Sideboard oder Küchenzeile muss dekoriert werden.

Danke, liebe Ronja, für das interessante Interview und die guten Tipps - das wird bestimmt einigen Mamas und Papas da draußen weiterhelfen, etwas mehr Ruhe in ihr Zuhause zu bekommen.

Ronja Rupalla ist Interior Designerin, Gründerin von Studio Eight und Creatorin hinter @housenumbereight. Hier dreht sich alles um Interior, Design und ihr eigenes Zuhause. Sie ist Unternehmehrin und selbst Mama.